Hey, ich bin’s – Teil 4 – Elena Kömmling

In unserer neuen Rubik „Hey, ich bin´s“ stellen wir wöchentlich unsere Spielerinen des VCO vor. Diese Woche haben wir uns mit Elena Kömmling unterhalten, der aktuell erfahrensten Spielerin im Kader. Und wer so lang beim VCO ist, darf uns natürlich auch eine Menge spannendes erzählen. Lest selbst.

Hallo Elena, kannst du dich für unsere Leser einmal vorstellen?

Na klar. Hey! Ich bin´s Elena, komme aus Dresden und bin noch 17 Jahre jung. Trotzdem bin ich die älteste Spielerin bei uns im Kader. Beim VCO spiele ich schon Volleyball seit dem ich 10 Jahre alt bin, also schon über 7 Jahre. Doch mit Volleyball angefangen habe ich mit rund 7 Jahren bei meinem Vater, der auch hobbymäßig als Volleyballtrainer aktiv war und mir damals schon bisschen Koordination und Ballgefühl vermitteln wollte. Denn ich hab früher mal Fußball gespielt, aber das war nichts für mich. Durch meinen Vater hab ich schnell gemerkt, dass Volleyball viel besser zu mir passt und mir unheimlich Spass macht.

Du sprichst dein Vater an. Er hat sozusagen dazu beigetragen, dass Deutschland eine Fußballerin verloren und eine Nationalspielerin im Volleyball gewonnen hat? Wie siehst du denn die frühe Förderung durch ihn?

Genau, durch meinem Vater habe ich den Wechsel vom Fußball zum Volleyball vollzogen. Mit sieben Jahren habe ich dann schnell gemerkt, dass mir das dynamische, schnelle Spiel, bei dem im minutentakt Punkte fallen, deutlich mehr liegt und unheimlich Freude bringt. Mein Vater trainierte eine Damenmannschaft, wo ich früh in die kleinen Übungen wie Koordination, Ballgefühl und pritschen einbezogen wurde. Dort haben wir dann rasch festgestellt, dass mir die Übungen verhältnismäßig leicht von der Hand gingen und ich unbedingt mehr aus mir machen wollte. Also bin ich aufs Sportinternat in Dresden gewechselt, was ich bis heute nicht bereue. Dafür, dass mich mein Vater damals mit zum Volleyball genommen hat, bin ich in unheimlich dankbar, denn mein Ziel war früher nach dem Wechsel zum Volleyball mal, in der Regionalliga Volleyball zu spielen. Das Ziel konnte ich längst erfüllen und bin nun auf den Weg zu neu gesteckten Zielen. Aber es ist nicht nur so, dass nur er mich unterstützt. Meine ganze Familie unterstützt mich seit nunmehr 10 Jahren auf meinem Weg extrem. Sie schaffen mich auch täglich in die Schule bzw. zum Training und holen mich von dort ab, denn ich wohne als Dresdnerin nicht im Internat sondern Zuhause bei meinen Eltern. Dafür bin ich meiner Familie insgesamt sehr dankbar.

Du warst als feste Spielerin für die EM eingeplant. Hast dich dann aber in der Vorbereitung verletzt und bist dazu noch gripal erkrannt. Daraus resultierte, dass du nicht an der WM in Argentinien, einem großen Traum von dir, teilnehmen konntest. Dennoch sehen wir dich permanent freudig, lachend und höchst motiviert. Woher kommt diese Kraft mit 17 Jahren?

Ja, das war mega schade. Ich habe jahrelang auf dieses Spielniveau und den Natiotraum hin gearbeitet und bin dann dennoch kurz vorher aufgrund der Gesundheit gescheitet. Doch diese hat man nur einmal im Leben und ich kann es ja nicht ändern. Gerade psychisch war es schon schwer, damit klar zu kommen. Immerhin trainiert man das Jahr davor extrem zielstrebig für diese Highlights. Da war es schon etwas schwer für mich, die anderen in der Vorbereitungen und in Argentinien spielen zu sehen, weil es mich unheimlich in den Armen und Beinen gekribbelt hat und ich am liebsten direkt mit aufs Feld gestürmt wäre um mitzuspielen. Aber es ist ja nicht zu ändern. Ich nehme für mein Ziel 1. Bundesliga alles in Kauf und ich weiß, dass wenn mein Knie derzeit beschädigt ist, es Zeit braucht um zu verheilen. Das stell ich nie in Frage und will die Verletzung lieber ganz auskurieren als dann nach kurzem Spiel wieder längere Zeit auszufallen. Auch die Geduldigkeit, bis zur Genesung zu warten, fällt mir unheimlich schwer, doch von den Spielerinnen und unserem Trainer Herr Neudeck kommt so viel Rückendeckung und Aufmunterung, dass es mir im zweiten Gedanken doch einfacher fällt, die Verletzung auszukurieren und dann zusammen mit dem Team mit 100% in der Saison anzugreifen. Darauf freue ich mich schon riesig. Endlich wieder spielen.

Beim Thema 100% gibt es eine passende Äußerung von deinem Co-Trainer Herr Berger. Er sagte uns mal nach deinem Angriff „Hart, Härter, Kömmling“. Bist du eine Agressive auf dem Spielfeld oder wie beschreibst du dein Spielstil?

Der Spruch trifft manchmal schon zu. Wenn ich sauer auf mich selbst oder gereizt bin, spiele ich immer am besten. Und da kann es schon einmal vorkommen, dass ich mit aller Gewalt den Ball zum Gegner schlage, was oft auch funktioniert. Doch grundlegend bin ich eine Spielerinn, die versucht, die in der Videoanalyse und im Training besprochenen taktischen Dinge umzusetzen. Wir machen uns vor jedem Spiel ein Bild vom Gegner und ich schaue mir auch während der Aufwärmung und des Spiels meine Gegner am Netz und die potenziellen Abwehrspieler genau an. Je nach dem wie diese dann stehen und was sie für eine Verfassung haben entscheide ich spontan, welcher Abschluss jetzt am besten passt. Oft richtig, aber nicht immer. Doch daraus lernt man ja. Am liebsten spiele ich aber clever und frech im letzten Moment die Linie hinunter. Sozusagen mein Lieblingsangriff. Aber wenn sich die Möglichkeit ergibt, dann selbstverständlich auch mit voller Härte direkt ins Hinterfeld, so dass der Gegner kaum eine Chance zum abwehren hat, worüber ich mich dann natürlich riesig freue.

Und du freust dich häufig. Du lachst nicht nur förmlich deine aktuelle Verletzung weg, sondern bist sonst auch immer am lachen. Wieso bist du so ein fröhlicher Mensch?

Ich bin ein grundauf optimistischer Mensch, der immer gute Laune hat. Außer natürlich, es klappt manchmal nicht so wie ich es mir vorstelle. Aber selbst die Zeit vergeht meist in Sekunden. Doch ich beschäftige mich auch neben dem Volleyball viel mit dem Leben und dem Geschehen in der Welt und weiß einfach, dass es uns in Deutschland und speziell auch mir, sehr gut geht. Es ist schon ein Privileg solch Möglichkeit mit dem Sportinternat zu bekommen und so beruhigt, mit dem Umfeld, aufwachsen zu können. Und wenn man sich dessen bewusst ist und mal über den Tellerrand hinaus schaut, merkt man auch schnell, dass unser Leben viel zu kurz ist, traurig und verärgert zu sein. Deswegen lebe und genieße ich jeden Tag unheimlich und da gehört lachen einfach dazu. Sozusagen die Zeit ist endlich, also verschwende ich sie nicht mit schlechter Stimmung und Gedanken, sondern erfreue mich an vielen Kleinigkeiten und versuche diese gute Stimmung in die Mannschaft zu bekommen und sie mit fröhlich zu machen, sie zu pushen und sie mitzureisen.

Mitreisen ist eine fast gute Überleitung. Was isst du denn gern nach langen Reisen am liebsten und nenn uns doch mal kurz dein lustigstes sportliches Highlight!

Also die Frage nach dem Essen geht recht schnell. Ich esse Nudel und Kartoffelauflauf für mein Leben gern. Ich liebe es einfach! Bei der Frage nach dem lustigsten sportlichen Highlight, gibt es bei genauerem überlegen eigentlich zwei, wobei eine Antwort auch echt peinlich war. Sie fanden beide in Fellbach beim Bundespokal statt. Das peinliche Highlight war in einem Spiel wo ich mich so auf den Aufschlag konzentriert habe und mir unser Trainer Herr Neudeck einfach aus dem Nichts sagte, „Du machst jetzt Tennis,“ und ich war darauf absolut nicht vorbereitet, voll im Fokus auf diesen Tennisaufschlag. Werfe den Ball an, mach den Tennisaufschlag und der geht einfach voll an Camilla´s Hinterkopf. Nochmals tausendmal Entschuldigung Camilla 😀 , weil sie vorne am Netz stand. Aber nichtmal das war das peinlichste, sondern das der Schiri das Spiel noch garnicht angepfiffen hatte da gerade eine Auswechslung anstand. Das war damals so extrem peinlich für mich. Doch heute lachen wir immernoch gern darüber. 😀 Aber das lustigste sportliche Highlight war eine Wette mit Herrn Neudeck. Im Training hat mir Herr Neudeck mal aus seiner Flasche etwas Wasser auf meinen Kopf gespritzt. Vor dem Bundespokal habe ich zu ihm gesagt, dass wir diesen heute gewinnen. Er hat nicht dagegen gewettet, aber gemeint, wenn wir gewinnen, darf ich ihm ein Behältnis meiner Wahl über den Kopf gießen. Als wir den Bundespokal nach dem grandiosen Finale gewonnen haben, habe ich ihm natürlich einen rund 14 Liter vollen Kübel mit Eiswasser über den Kopf gegossen. Die Chance hat man ja nicht so oft – es war einfach so lustig! Dieses Finale, diese Emotionen, diese Wette und das Herr Neudeck da mitgemacht hat. Ein unheimlich lustiger Moment, wenn wir heute daran denken.

Danke Elena, dass du uns an diese tiefgründigen und lustigen Antworten gegeben hast. Du hast es wieder geschafft, jemanden zum lachen zu bringen. Danke dafür und weiterhin so gute Laune auf dem Weg zur vollständigen Genesung. Wir freune uns schon, dich 2018 wieder auf dem Spielfeld zu sehen!

2017-10-04T12:20:09+00:00