VC Olympia Dresden e.V.

Jens Neudeck im Interview mit der SZ

Am heutigen Freitag berichtete die Sächsische Zeitung über unseren Stützpunkttrainer Jens Neudeck:

Volleyball-Stützpunkttrainer Jens Neudeck spricht über fehlende Talente, seine Zukunft und die des Standortes Dresden

Er ist der oberste Volleyballausbilder in Sachsen: Der Dresdner Bundesstützpunkt-Trainer Jens Neudeck. Der 46-Jährige erklärt, wie er die internationalen Erfolge seiner Schützlinge einschätzt und weshalb seit Jahren keine Talente mehr beim Dresdner SC oben ankommen.

Herr Neudeck, mit Camilla Weitzel, Patricia Nestler und Franziska Nitsche hat ein Dresdner Trio mit dem sechsten Platz bei der Junioren-EM das Ticket für die WM gelöst. Wie bewerten Sie das?

Das ist ein großer Erfolg für das deutsche Team. Die haben das Maximale herausgeholt. Man kann da jetzt im Sommer ruhig die WM vorbereiten und dort vielleicht eine gute Rolle spielen.

Das Talenteteam des DSC wird in der 2. Bundesliga von Platz sieben nicht mehr verdrängt werden. Wie schätzen Sie diese Leistung ein?

Das ist für uns eine sensationelle Überraschung. Wir sind mit einem Altersdurchschnitt von 15,7 Jahren in die Saison gestartet. Im Dezember haben wir mit Maike Henning unsere Kapitänin verloren, die auf eigenen Wunsch ihre Karriere beendet hat. Das sorgte für Unruhe. Aber die Mädchen haben das mit viel Engagement und Leidenschaft wettgemacht.

Was macht das mit so einem jungen Team, wenn die Kapitänin mitten in der Saison aufhört?

Die Mannschaft ist noch enger zusammengerückt. Der Plan war, dass Maike in ihrer Rolle auch als Persönlichkeit reift, noch mehr lernt, ein Team mitzunehmen. Als sie dann diesen Schritt gegangen ist, hat jede im Team das als Chance genutzt, um noch einmal neu die Rollen zu verteilen.

Was war der Grund für ihren Rücktritt?

Maike hat für sich festgelegt, dass Leistungssport, so wie wir ihn sehen und verstehen, nicht ihrem Naturell entspricht.

Ist das ein Generationenproblem?

Denke ich nicht. Es ist so, dass die Athleten auf ihrem Weg zur Spitze erkennen, dass das Unterfangen sehr hart und nicht einfach ist, und dann vielleicht daran zweifeln, diesen Weg bis zum Ende zu gehen. Wir waren immer davon überzeugt, dass Maike es schaffen kann. Ihre Entscheidung war für uns überraschend, weil wir dabei immer gern mitgenommen werden. Aber wir akzeptieren das.

Maike Henning ist in den letzten zwei, drei Jahren nicht das erste VCO-Talent, das mitten in der Saison hinwirft.

Das ist für mich ein Sinnbild dessen, dass wir noch intensiver schauen müssen, wirklich die Top-Talente hier zu haben, in noch höherer Qualität auszubilden. Für die diejenigen, die bei uns aufgehört haben, waren das vielleicht nicht die schlechtesten Entscheidungen. Die Mädchen sind heute mental so weit, dass sie eine solche Entscheidung reflektiert treffen, die vielleicht richtig ist.

Die deutschen Nachwuchsmeisterschaften der Mädchen finden in diesem Jahr in Gladbeck, Biberach, Lohhof und Schwerin statt. Wann traut sich Dresden wieder?

Wir wollen mit Sicherheit immer wieder mal eine Meisterschaft ausrichten. Der Druck und die Erwartungen sind bei einer solchen Heimmeisterschaft natürlich riesengroß. Wir versuchen, beides miteinander zu verbinden. Ein Team aufzustellen, das gut genug ist, um den Titel mitzuspielen, und diesem Druck standzuhalten. Aus meiner Sicht könnte das im nächsten Jahr die U20 sein.

Die Fans des Dresdner SC und auch Cheftrainer Alexander Waibl fragen sich in schöner Regelmäßigkeit, wo denn die eigenen Talente im Profikader bleiben. Gibt es keine?

Wir haben momentan nichts. Wir hatten keinen guten 1998/99er-Jahrgang. Da ist mit Rica Maase die letzte Spielerin, die es vielleicht schaffen kann, die auch schon bei Alex im Team mittrainiert, hin und wieder als Wechslerin bereitstand. Der Jahrgang war einfach nicht gut, sodass wir jetzt eine Durststrecke haben und Alex niemanden wirklich anbieten können. Beim nächsten Jahrgang 2000/01 sieht das schon ein bisschen anders aus. Aber die Mädchen sind eben noch sehr jung. Wir sind uns da einig, dass wir den Talenten diese Zeit geben wollen. Wir sind natürlich trotzdem glücklich, dass wir Mädchen für die 1. Liga ausbilden. Das ist auch unsere Aufgabe als Bundesstützpunkt. Es ist aber unser Anspruch, auch hier in Dresden Talente hochzubringen.

Wirkt sich die Leistungssportreform in Deutschland auf den hiesigen Volleyball-Stützpunkt aus?

Wenn man deutschlandweit die Bedingungen vergleicht, sollten wir keine Angst haben. Da sind wir klar auf eins. Meine Befürchtung ist aber, dass es bei solchen Entscheidungen nicht immer nur nach sportlichen Gesichtspunkten geht, sondern auch sportpolitische Aspekte eine Rolle spielen. Wenn man aber die Sportart Volleyball in Deutschland voranbringen will, kommt man am Standort Dresden nicht vorbei.

Sie sind jetzt hier im zehnten Jahr Volleyballtrainer. Macht es noch Spaß?

Ich bin sehr glücklich. Wir haben durch den Dresdner SC und die GmbH hervorragende Bedingungen. Wir besprechen Dinge, die nicht gut laufen, sehr kritisch und konstruktiv, das ist sehr angenehm.

Wie lange läuft Ihr Vertrag?

Wir entscheiden von Saison zu Saison neu, auch wegen der Leistungssportreform im deutschen Sport. Ich bin beim Landesverband angestellt. Der Verband stellt mich frei für die Funktion am Bundesstützpunkt. Es obliegt jeweils dem DSC, in dieser Personalie jedes Jahr zu entscheiden. Das Recht hat der Klub, das ist verständlich. Wir sind gerade dabei, in die neue Saison zu gucken. Da wird sich der Verein positionieren.

[ Sächsische Zeitung Dresden, Regionalsport, Alexander Hiller ]