VC Olympia Dresden e.V.

Talente auf Umwegen

Das Dresdner Modell führt auch für die besten Volleyballerinnen vom VC Olympia nicht mehr direkt zum DSC.

Der Dresdner SC bildet beim VC Olympia Dresden Talente aus. Sie sind sogar erstligareif, aber nicht gut genug für den deutschen Volleyball-Meister. Maria Kirsten führte bis zur vergangenen Saison beim VCO Regie in der Staffel Süd der 2. Bundesliga. Anschließend ging die Zuspielerin zu Aurubis Hamburg in die Eliteklasse. Auch ihre ehemalige Klubgefährtin Michelle Petter stieg auf. Der Libero wechselte zu den Volleystars Thüringen.

„Der Königsweg zum DSC funktioniert immer seltener“, betont VCO-Trainer Jens Neudeck. Die Ansprüche beim deutschen Meister und Champions-League-Starter seien sehr groß – zu hoch für seine Schützlinge. Daher nimmt ein Duo den Umweg über andere Erstligisten. „Wir verlassen den Dresdner Weg nicht“, erklärt DSC-Trainer Alexander Waibl. Er sieht vor, Talente vom VCO beim DSC einzubinden. „Das gelingt aber seit geraumer Zeit nicht mehr so gut wie früher“, meint Waibl. Er erinnert daran, dass der VCO mit Spielerinnen aus dem Jahrgang 1994 in der 2. Bundesliga zur Spitze gehörte. Mit Außenangreiferin Lisa Izquierdo und Libero Lisa Stock zählt ein Duo aus dieser Mannschaft seit 2012 zum DSC. Zuletzt belegte der VCO hintere Tabellenplätze. „Da fehlen logischerweise Mädchen mit dem Leistungsniveau für vordere Erstliga-Ränge“, sagt Waibl.

Ein Kommen und Gehen

DSC und VCO gehen seit einigen Jahren auf Schultour. „Da gibt es aus den Jahrgängen 1999 bis 2001 einige große, talentierte Mädchen. Sie benötigen aber Zeit, um sich entwickeln zu können.“ Waibls und Neudecks Ziel bleibt, Spielerinnen beim VCO auszubilden, die sich anschließend in den DSC integrieren lassen. Ältere Jahrgänge aus dem VCO konnten den DSC dank ihrer Qualität häufiger als Karrieresprungbrett ins Ausland nutzen. Mareen Apitz, Heike Beier, Christiane Fürst, Stefanie Karg, Anne Matthes und Corina Ssuschke-Voigt gehörten dazu. „Ich freue mich für alle Nationalspielerinnen, denen das gelingt – und über jedes Mädchen, das ich vom VCO zum DSC holen kann“, betont Waibl.

Bis auf Weiteres verpflichtet er junge Ausländerinnen. Neue Gesichter vom VCO fehlen. Dabei trägt der Klub in seinem Namen den Zusatz „Die DSC-Talente“. Neudeck macht sich dennoch keine Sorgen: „Der DSC muss so handeln, wenn er erfolgreich spielen will. Ich würde liebend gern wie 2012 Spielerinnen hochgeben, aber sie sind derzeit noch nicht so weit.“ Die Mittelblockerinnen Elisabeth Lowke und Constance Plath sowie Außenangreiferin Luise Wolf sind immerhin weit genug für ein Doppelspielrecht, mit dem sie bei DSC und VCO antreten dürfen. „Das gibt ihnen Auftrieb“, erklärt Neudeck.

Er hält die Tür auf – vom VCO zum DSC. Bei Bedarf kann Waibl bereits jetzt auf seine Talente zurückgreifen. „Kurzfristig helfen sie ihm, aber nicht als Dauerlösung bei einem Langzeitausfall“, meint Neudeck. Er betrachtet sich in erster Linie als Ausbilder von Spielerpersönlichkeiten. Seine Schützlinge sollen sich in Ruhe entwickeln. „Wir finden den idealen Zeitpunkt für einen Wechsel“, sagt Neudeck.

Seine Mannschaft befindet sich im Umbruch. Nach der vergangenen Saison verließen fünf Volleyballerinnen den VCO. Dessen Spielerinnen bilden den größten Teil des DSC-Nachwuchses, der in diesem Jahr die deutsche U-20-Meisterschaft gewann. „Als Ausbildungsmannschaft ziehen wir junge Spielerinnen hoch“, betont er. Für diese Saison holte Neudeck acht Talente aus dem eigenen Nachwuchs. Sein Kader umfasst 14 Volleyballerinnen im Alter von 14 bis 19 Jahren – das mit Abstand jüngste Team der 2. Bundesliga.

„Unsere Mädchen sind physisch fit und spritzig“, erklärt er. Neudeck durfte sich mit ihnen zum Auftakt über einen Triumph freuen. Sie gewannen in Sonthofen nach einem 0:2 noch mit 3:2. „Solche Erfolge sind ein Zeichen für gute Arbeit und beweisen: Trainingsfleiß lohnt sich. Außerdem fördern sie Selbstbewusstsein und Siegermentalität“, meint er. Das sei wichtig, auch wenn Neudeck nicht ergebnisorientiert denken muss, da der VCO aufgrund eines Sonderspielrechtes weder auf- noch absteigen kann. Die drei folgenden Niederlagen holten seine Teenagertruppe auf den Boden der Tatsachen zurück. Sie belegt den elften Platz unter 13 Vereinen und freut sich auf das erste Heimduell und Sachsenderby am Sonntag gegen Engelsdorf.

Er spricht von einer Saison des Ankommens, Orientierens und eventuell auch weiterer Sensationen. Seine Ziele gehen darüber hinaus. Neudeck will eine neue Mannschaft formen, die etwa vier Jahre so zusammenspielen kann. „Wenn wir unsere Emotionalität und diesen super Team-Spirit unbekümmert aufs Spielfeld bekommen, dann geben wir sogar wieder den einstelligen Tabellenplatz als Ziel aus“, sagt er.

Quelle: Sächsische Zeitung, 09.10.2015 (Maik Schwert)